Im Zug
Auf dem Weg in die Stadt, im Zug, auf der S7, nahm ich in einem übervollem Abteil der zweiten Klasse gegenüber einem älteren Herrn platz. Meinte Tasche war schwer bepackt mit Badesachen und einer SLR Canon. Von meiner Kamera wollte ich mich nämlich in den nächsten Stunden trennen. Je nachdem wie sie hoch oder tief gehandelt wurde.
Auf alle Fälle, ich neben dem Fenster mit der Ray auf der Nase und Roisin Murphy im Ohr, merkte ich, wie mich der ältere Herr aufmerksam musterte. Die Blicke, waren nicht lüsteren, das hätte ich schliesslich gemerkt. Eher neugierig und aufmerksam. Wir hatten zwei, drei Mal Blickkontakt und ich versuchte einzuschätzen, ob er nun der Begleiter der alten Schrulle war, die ein 7-tage-Regen-Gesicht zog oder alleine reiste.
Am Hauptbahnhof ausgestiegen, ging ich zum Fotoladen beim Löwenplatz. Ein kleiner Laden mit super Service und netten Jungs. Ich stand an der Theke und wartete, musterte verstohlen die Vitrinen, als plötzlich der Herr aus dem Zug neben mir aufgetaucht war. Mein Herz rutschte mir in die Hose. Ich hatte keine Lust auf Smalltalk und wie sich unsere Blicke begegneten wusste ich ungefähr, was auf mich nun zukam.
- Jetzt sehen wir uns also wieder. Sie fotografieren also auch? Ich muss mein Zeiss Sucher hier abholen. Wissen Sie, sowas geiles haben Sie noch nie geesehen. Weitwinkel 18 mm, musste ich haben. Letzte Woche habe ich mir ein 15 mm gekauft. Super geil. Aber passte mir irgendwie nicht.
Ich fühlte mich von sovielen Worte pro Minute überrumpelt. Erst noch, als jedes dritte Wort „geil“ war. Und das von einem Pensionär. Die Dame brachte ihm den gewünschten Sucher für die Kamera und er gab sich die Ehre, mich als erste durch einen Sucher zu gucken. Ich hatte keine Wahl, als das Ding zu nehmen und durch zu schielen. Messerscharf, klar…aber so hammer geil fand ich es dann doch nicht. In den nächsten 5 Minuten lud er mich zum Sprüngli auf einen Café ein. Ich fluchte innerlich und überlegte, wie ich ihn am besten loswerden konnte. Als ich noch erklärte, ich müsste zum Fotoladen am Rennweg, erklärte er sich feierlich bereit, mir zu folgen…
Auf dem Weg dorthin erkärte er mir, wie die Hybridfotografie funktioniert. Hierbei wird analog fotografiert und das Filmmaterial anschliessend digital weiterverarbeitet. Ich hörte also zu und lernte – und staunte!
Ich erfuhr ebenfalls, dass er ein passionierter Fotograf ist und eine Leidenschaft für analoge Kameras hat. In seiner Wohnung stappeln sich Objektive, Sucher und Leica Kameras jeglicher Art (ausser Digital). Man kann sich also denken, wieviel Geld in seiner Wohnung hinter Glasvitrinen liegen, wenn alleine der Sucher an die 500 CHF kostet.
Nach 2 Stunden Monolog hab ich mich von ihm verabschiedet, mich dankbar gezeigt für die Einladung an seine Bilderausstellung, der ich natürlich folgen würde und machte mich auf dem Weg zu meiner imaginären Freundin, mit der ich schliesslich ein Date hatte. Wirklich…
Karo, de absolut hammer
hani immerhin hüt scho mal choene lache
thx, darling
Babs
Juni 8, 2009 um 9:51